Der Homunculus Oeconomicus bei der Arbeit. Produktivität und Männlichkeit in den frühen Erzähltexten Thomas Manns

Das Forschungsprojekt „Der Homunculus Oeconomicus bei der Arbeit. Produktivität und Männlichkeit in den frühen Erzähltexten Thomas Manns“ widmet sich einem literaturwissenschaftlich gewichtigen, bislang aber noch nicht schwerpunktmäßig bearbeiteten Thema: der diskursiven Verschränkung von Produktivität, Gender und ästhetischer Konzeption in den frühen Erzähltexten Thomas Manns. Vor einem breiten diskursgeschichtlichen Hintergrund, der durch die Analyse zahlreicher zentraler wirtschaftswissenschaftlicher Texte des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts hergestellt wird und bei dem der Zusammenhang von kultureller, ethnischer und sexueller Differenz bei der Konzeptionalisierung von ‚Arbeit und Geschlecht‘ besondere Berücksichtigung findet, soll ein differenziertes Verständnis der literarischen Texte gewonnen werden: Im Vergleich mit der nicht-fiktionalen Rede über Produktivitätsmaßstäbe lassen sich sowohl Übernahmen bei den literarischen Konstruktionen von ‚Wirtschaftsmenschen‘ herausarbeiten als auch signifikante Unterschiede feststellen. Gerade narrative Charakteristika der Mannschen Prosakunst wie ironisches Erzählen und figurenpsychologische Vertiefung ermöglichen es – im Unterschied zu den zeitgenössischen wissenschaftlichen Texten – das Repressive der herrschenden Machtdiskurse offenzulegen. So können gesellschaftliche Normalisierungstendenzen und die Exklusion von Minderheiten ‚enttarnt‘ werden. Das Projekt will sich vor allem durch die diskursanalytische Arbeitsweise von den in der Thomas Mann-Forschung gängigen Interpretationsmustern wie quellenphilologischer Forschung und hermeneutischer Werkimmanenz abheben.