Sprachlernmechanismen bei ein- und mehrsprachigen Kindern

Wichtigste Fragen

 

Worum geht es bei diesem Projekt?

Im Rahmen meiner Forschungstätigkeit an der Universität Basel untersuche ich, wie gut ein- und mehrsprachige Kinder spielerisch neue „Phantasiesprachen“ lernen können. Ich hoffe, dass dies in Zukunft dazu beitragen wird, Sprachentwicklungsprobleme bei mehrsprachigen Kindern besser diagnostizieren zu können.

Was wird mein Kind tun, wenn es teilnimmt?

Ihr Kind wird ca. 15 Minuten lang in der gewohnten Umgebung seines Kindergarten mit mir kindgerechte Sprachspiele an einem Computer mit Touchscreen spielen. Dabei wird es mit einer freundlichen außerirdischen Comicfigur auf einen fremden Planeten fliegen und dort deren Sprache lernen. Ihr Kind wird die neuen Wörter und Sätze dieser Sprache über Kopfhörer hören. Ich werde auch aufnehmen, was Ihr Kind sagt, um dies nachher auszuwerten. In einer zweiten Sitzung von ca. 15 Minuten wird Ihr Kind an einschlägigen Tests zum Problemlösen (Muster zuordnen) und zur auditiven Merkfähigkeit (Zahlenreihen und Silbenfolgen nachsprechen) teilnehmen.

Was passiert mit den Daten meines Kindes?

Vor der Auswertung werden die Daten Ihres Kindes anonymisiert (jedes Kind bekommt eine Nummer), sodass keine persönlichen Informationen weiterverarbeitet werden. Am Ende der Studie werden Sie über die Ergebnisse informiert, sofern Sie dies wünschen.

Was muss ich tun, damit mein Kind teilnehmen kann?

Falls Sie eine Einladung Ihrer Schule/ Ihres Kindergartens erhalten haben, füllen Sie bitte die  Einverständniserklärung und den Fragebogen zur Sprachentwicklung Ihres Kindes aus. Ihre Teilnahme ist freiwillig, und Sie und Ihr Kind können Ihr Einverständnis jederzeit bei mir widerrufen. Weitere Details zum Projekt und eine Liste häufiger Fragen finden Sie auch auf der Projekt-Webseite germa.unibas.ch/SEMK. Ich stehe ich Ihnen gerne für weitere Informationen per Email oder Telefon zur Verfügung. Ich würde mich sehr über Ihre Teilnahme freuen, die für das Gelingen meines Projekts eine wichtige Hilfe wäre.

 

Weitere Fragen

Warum könnten die Sprachlernspiele in Zukunft zur Diagnose von Sprachentwicklungsstörungen bei mehrsprachigen Kindern beitragen?

Bisher lassen sich etwaige Rückstände in einer Sprache bei mehrsprachigen Kindern nur schwer interpretieren, da ihr Spracherwerb ohnehin langsamer verlaufen kann. Ihr Sprachstand ist stark von der Intensität und der Dauer des Kontakts mit ihren verschiedenen Sprachen abhängig ist. Die meisten Sprachtests zielen aber nur auf die Kenntnisse der Kinder in EINER der erlerneten Sprachen (z.B. Deutsch) im Vergleich mit monolingualen Kindern ab. Die Abgrenzung einer durch Mehrsprachigkeit verursachten vorübergehenden Verlangsamung der Sprachentwicklung von einer sogenannten „spezifischen Sprachentwicklungsstörung“ (SSES) ist somit sehr problematisch, aber für die korrekte Förderung der Kinder sehr wichtig. Denn eine SSES tritt – aus bisher unbekannter, wahrscheinlich genetischer Ursache –bei ca. 7% aller Vorschulkinder auf und bedarf spezieller logopädischer Therapie.

Einige aktuelle Studien zeigen, dass Kinder mit SSES erheblich Schwierigkeiten haben, neue Sprachstrukturen zu lernen, während dies mehrsprachigen Kindern ohne solche Störungen sogar leichter fallen kann als einsprachigen. Die vorliegende Studie hat das Ziel, diese SprachLERNfähigkeiten (unabhängig von sprachlichem Hintergrund und vorhandenem Sprachwissen) für neue, unbekannte Sprachen bei mehrsprachigen Kindern mit und ohne Sprachentwicklungsstörungen genauer zu untersuchen und ihre Nutzung bei der Abklärung von Sprachproblemen bei mehrsprachigen Kindern zu erproben.

 

Warum werden auch Tests zum Problemlösen und zur auditiven Merkfähigkeit durchgeführt?

Neben der Ein- oder Mehrsprachigkeit beeinflussen diese (und noch andere) Faktoren nachweislich die Fähigkeit zum Erlernen neuer Sprachen. Deswegen wird eine grobe Einschätzung der Fähigkeiten der Kinder in diesen Bereichen vorgenommen, die in die statistische Auswertung mit einfließt.

 

Wann bekomme ich die Ergebnisse meines Kindes?

Bei den in der Studie verwendeten Aufgaben handelt es sich nicht um standardisierte Tests, sodass die Ergebnisse einzelner Kinder nicht interpretierbar sind und Analysen nur auf Gruppenebene vorgenommen werden. Die Gruppenergebnisse schicken wir Ihnen bei Ende der Studie zu –voraussichtlich im Sommer des Jahres 2017. Soweit vorhanden, geben wir Zwischenergebnisse und Hinweise auf Veröffentlichungen auf dieser Website bekannt.

 

Warum werden bei einigen Kindern noch zusätzlich standardisierte Sprachtests durchgeführt?

Zusätzlichen Sprachtests werden mit den Kindern mit bereits festgestellten Sprachentwicklungsstörungen durchgeführt, um diese Diagnose zu erhärten. Eine kleine Stichprobe von Kindern des gleichen Alters und Geschlechts werden auch eingeladen, an diesen Tests teilzunehmen, um genau vergleichbare Testbedingungen zu schaffen und bei ihnen Sprachentwicklungsstörungen eindeutig ausschließen zu können. Sollte Ihr Kind eingeladen sein, an diesen zusätzlichen Tests teilzunehmen, können Sie die individuellen Testergebnisse bei uns anfordern, wenn Sie daran Interesse haben.

 

Wie wird mit den Fragebögen und persönlichen Daten weiter verfahren?

Aus Ihren Antworten auf den Elternfragebögen erstellen wir ein Sprachprofil für jedes Kind, das in die statistische Auswertung eingeht – bitte antworten Sie also so detailliert und genau wie möglich. Für Fragen und Unklarheiten stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Bitte geben Sie auch Ihre Kontaktdaten an, damit wir uns bei Rückfragen bei Ihnen melden können.

Ihre Daten sind nur ProjektmitarbeiterInnen zu Projektzwecken zugänglich. Die ausgefüllten Fragebögen werden in einem verschlossenen Aktenschrank an der Universität Basel (Schweiz) eingelagert, um gegebenenfalls korrektes wissenschaftliches Vorgehen nachweisen zu können. Vor der Auswertung werden die Daten anonymisiert (jedes Kind erhält eine Nummer). Die anonymisierten Ergebnisse können für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden (öffentliche Vorträge, Veröffentlichungen in Fachzeitschriften).