Darstellung und Reflexion der Geschlechterrollen in deutschen Ehetexten ca. 1470 – 1580

 

Projektbeschreibung

In diesem Forschungsprojekt ging es darum, die Prämissen, Mechanismen und Funktionen der Rollenzuweisung für die beiden Geschlechter in der Ehe zu untersuchen. Besonders zu beachten war, dass es sich um literarische Entwürfe handelte, nicht um Beschreibungen der sozialen Realität. Die Diskrepanz zwischen Ehe-Literatur und Ehe-Realität zeigt sich schon daran, dass die Geschlechterrollen für ein und dieselbe rechtlich-soziale Institution (Ehe) z.T. sehr unterschiedlich festgelegt wurden. Die Gründe hierfür waren auf der Diskursebene zu suchen, nicht in unterschiedlichen sozialen Realitäten: Je nach Textgattung, Adressat, Intention des Sprechers, Sprache, Gebrauchsfunktion des Textes entstehen unterschiedliche Entwürfe von den Geschlechterrollen in der Ehe. Aufgrund der zeitlichen Eingrenzung des Textmaterials drängte sich von selbst die Frage auf, inwiefern die reformatorischen Ehetexte eine andere Geschlechterrelationierung entwarfen als dies bei den spätmittelalterlichen Autoren der Fall war. Die These von der Aufwertung der Frau in den reformatorischen Schriften war gleichfalls zu relativieren.

Publikationen

  • R. Schnell: Liebesdiskurs und Ehediskurs im 15. und 16. Jahrhundert, in: Lynne Tatlock (Hg.), The graph of sex and the German text, Amsterdam/Atlanta 1994, S. 77-120.
  • R. Schnell (Hg.): Text und Geschlecht. Mann und Frau in Eheschriften der Frühen Neuzeit (stw 1322), Frankfurt a.M. 1997.
  • R. Schnell: Text und Geschlecht. Eine Einleitung, in: R. Schnell (Hg.), Text und Geschlecht, S. 9-46.
  • Tobias Brandenberger: Antonio de Guevaras Eheschriften. Textaussagen und Textfunktion, in: R. Schnell (Hg.), Text und Geschlecht (s.o.), S. 115-144.
  • R. Schnell: Geschlechtergeschichte und Textwissenschaft. Eine Fallstudie zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ehepredigten, in: R. Schnell (Hg.), Text und Geschlecht, S. 145-175.
  • Helmut Puff: "Allen menschen nuczlichen". Publikum, Gebrauchsfunktion und Aussagen zur Ehe bei Ulrich von Pottenstein, in: R. Schnell (Hg.), Text und Geschlecht (s.o.), S. 176-196.
  • R. Schnell: Bertholds Ehepredigten zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit: Mittellat. Jahrbuch 32 (1997) 93-108.
  • R. Schnell (Hg.): Geschlechterbeziehungen und Textfunktionen. Studien zu Eheschriften der Frühen Neuzeit (Frühe Neuzeit 40), Tübingen 1998.
  • R. Schnell: Geschlechterbeziehungen und Textfunktionen. Probleme und Perspektiven eines Forschungsansatzes, in: R. Schnell (Hg.), Geschlechterbeziehungen und Textfunktionen, S. 1-58.
  • Helmut Puff: "[...] ein schul/ darinn wir allerlay Christliche tugend vnd zucht lernen." Ein Vergleich zweier ehedidaktischer Schriften des 16. Jahrhunderts, in: R. Schnell (Hg.), Geschlechterbeziehungen und Textfunktionen (s.o.), S. 59-88.
  • Monika Gsell: Hierarchie und Gegenseitigkeit. Überlegungen zur Geschlechterkonzeption in Heinrich Bullingers Eheschriften, in: R. Schnell (Hg.), Geschlechterbeziehungen und Textfunktionen (s.o.), S. 98-117.
  • R. Schnell: Die Frau als Gefährtin (socia) des Mannes, in: R. Schnell (Hg.), Geschlechterbeziehungen und Textfunktionen, S. 119-170.
  • Katrin Graf: "Ut suam quisque vult esse, ita est". Die Gelehrtenehe als Frauenerziehung. Drei Eheschriften des Erasmus von Rotterdam (1518-1526), in: R. Schnell (Hg.), Geschlechterbeziehungen und Textfunktionen (s.o.), S. 233-257.
  • Katrin Graf: Der Dialog ’Conjugium’ des Erasmus von Rotterdam in den deutschen Übersetzungen des 16. Jahrhunderts, in: R. Schnell (Hg.), Geschlechterbeziehungen und Textfunktionen (s.o.), S. 259-273.
  • Tobias Brandenberger/Katrin Graf/Johanna Thali: Die volkssprachlichen Übersetzungen von Juan Luis Vives’ ’De officio mariti’ in der Romania des 16. Jahrhunderts, in: R. Schnell (Hg.), Geschlechterbeziehungen und Textfunktionen (s.o.), S. 275-310.
  • R. Schnell: The discourse on marriage in the middle ages: Speculum 73 (1998) 771-786.
  • R. Schnell: Frauendiskurs, Männerdiskurs, Ehediskurs. Textsorten und Geschlechterkonzepte in Mittelalter und Früher Neuzeit (Geschichte und Geschlechter 23), Frankfurt a.M. 1998.
  • R. Schnell: Geschlechtergeschichte, Diskursgeschichte, Literaturgeschichte. Eine Studie zu konkurrierenden Männerbildern in Mittelalter und Früher Neuzeit: Frühmittelalterliche Studien 32 (1998) 307-364.
  • R. Schnell: Seelsorge und kanonistische Norm - Eine schwierige Vermittlung. Das Fallbeispiel "Ehefrau mit unehelichem Kind", in: Homo Medietas. Festschrift für Alois Maria Haas zum 65. Geb., hg. von Claudia Brinker von der Heyde und Niklaus Largier, Bern 1999, S. 117-138.
  • R. Schnell: Mediävistik und Frühneuzeitforschung: Können sie zusammen nicht kommen: Archiv für Kulturgeschichte 82 (2000) 227-237.
  • R. Schnell: Darstellung und Bewertung des Ehebruchs in der mittelalterlichen Literatur: INTAMS (International Academy for marital spirituality) 6 (2000) Heft 1, S. 17-31.
  • R. Schnell: Was haben Schachspiel und Ehe gemeinsam? Zum Goldenen Spiel des Basler Dominikaners Meister Ingold (1432), in: Simona Slanicka (Hg.), Begegnungen mit dem Mittelalter in Basel (Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft 171), Basel 2000, S. 91-121.
  • R. Schnell: Sexualität und Emotionalität in der vormodernen Ehe, Köln 2002.